Die Mastervertiefung "Geld und Währung"

Geld- und Währungspolitik gehören zu den zentralen Bereichen der Makroökonomie. Mit den Veranstaltungen im Wahlfach "Geld und Währung" sollen Studentinnen und Studenten in die Lage versetzt werden, sich ein eigenständiges Urteil über die Politik der Europäischen Zentralbank, der Federal Reserve und anderer wichtiger Notenbanken zu bilden. Außerdem sollen die wichtigsten Determinanten des Wechselkurses erklärt werden sowie die Möglichkeiten einer Steuerung von Wechselkursen durch Notenbanken im Rahmen von Festkurssystemen oder einer Politik des "managed floating".

In der Vorlesung Geldpolitik in der geschlossenen Volkswirtschaft stehen die theoretischen Grundlagen der Geldpolitik im Vordergrund, wobei hier noch von den internationalen Rückwirkungen abgesehen wird. Dazu werden zunächst die wichtigsten theoretischen Abgrenzungen von "Geld" diskutiert. Auf dieser Grundlage werden unterschiedliche Theorien der Geldnachfrage präsentiert und auf das von der Europäischen Zentralbank verwendete Konzept der Geldmenge M3 angewendet. Eine wichtige Rolle spielt die Diskussion des Geldangebots, wobei neben dem klassischen Multiplikator-Modell ein preistheoretisch angelegtes Modell des Kreditangebots dargestellt wird. Schließlich werden die gängigen Ansätze zur Transmission monetärer Impulse (Quantitätstheorie, zinstheoretische Ansätze, Phillips-Kurve) diskutiert. Am Ende werden die Transmissionsprozesse in einem umfassenden zinstheoretischen Modell (BMW-Modell) zusammengefasst.

In der Vorlesung Geldpolitik in der offenen Volkswirtschaft geht es um die außenwirtschaftlichen Aspekte de Geldpolitik. Diese sind vor allem für die Notenbanken kleinerer Länder von Bedeutung, aber auch die Europäische Zentralbank kann die internationalen Faktoren bei ihrer Politik nicht völlig unberücksichtigt lassen. Die Vorlesung beginnt mit einer Darstellung der institutionellen Grundlagen des Devisenhandels. Es folgt dann eine Diskussion der Zinsparitäten- und der Kaufkraftparitätentheorie, die die wichtigsten Bausteine der meisten komplexeren Wechselkurstheorien (monetärer Ansatz, Dornbusch-Modell, "news-Ansatz") bilden. Als Alternative zu diesen fundamentalen Ansätzen wird das Konzept der "behavioral economics" dargestellt. In einem nächsten Schritt werden Modelle für die Makroökonomie offener Volkswirtschaften diskutiert. Im Vordergrund steht dabei ein zinstheoretischer Ansatz (BMW-Modell für die offene Volkswirtschaft), der sehr viel leistungsfähiger ist als das traditionell gelehrte Mundell-Fleming Modell. Für kleinere offene Volkswirtschaften wird außerdem das Konzept des "managed floating" theoretisch hergeleitet und auf seine politische Anwendbarkeit überprüft. Schließlich werden die wichtigsten institutionellen Merkmale von Festkurssystemen erörtert und es wird dabei gezeigt, wie es zu Währungskrisen kommen kann.

In den Fachübungen bzw. Seminaren zur "Geldpolitik" werden die Lehrinhalte vor allem anhand von konkreten Fall- bzw. Länderstudien vertieft. Den Studierenden wird dabei auch die Möglichkeit gegeben, sich mit den Methoden und Datenquellen der empirischen Wirtschaftsforschung vertraut zu machen.

In den Fachübungen bzw. Seminaren "Geldtheorie" werden neuere theoretische Ansätze zur Geld- und Währungstheorie präsentiert und diskutiert. In der Vergangenheit wurden dabei vor allem Fragen der geldtheoretischen Transmission und des Geldangebots erörtert.

In den Fachübungen bzw. Seminaren zur "Außenwirtschaft und zur Europäischen Integration" werden theoretische und wirtschaftspolitische Fragen (z.B. Osterweiterung der EU, Stabilitäts- und Wachstumspakt, internationale Wettbewerbsfähigkeit") behandelt.

Fachspezifische Methoden:

Das Vertiefungsfach basiert auf den gängigen mikro- und makroökonomischen Theorieansätzen.
Vorausgesetzt wird neben guten englischen Sprachkenntnissen auch ein Interesse an Fragen der empirischen Wirtschaftsforschung. Die dazu erforderlichen Kenntnisse können in den entsprechenden Vorlesungen des Hauptstudiums erworben werden.

Besonderheiten:

Der Verzahnung von theoretischen Konzepten mit wirtschaftspolitischen Fragestellungen wird eine besondere Bedeutung beigemessen. Die theoretische Analyse von institutionellen Arrangements spielt daher neben den traditionellen theoretischen Ansätzen eine wichtige Rolle.

Empfohlene Einführungsliteratur:

Geldtheorie:

  • McCallum, B.: Monetary Economics, New York 1989.
  • Bofinger, Mayer, Wollmershäuser, The BMW: A New Framework for Teaching Monetary Economics, The Journal of Economics Education, Vol. 37 (1) , pp. 98-117, 2006.
  • Woodford, Interest and Prices, Foundations of a Theory of Monetary Policy, Princeton University Press 2003.
  • Carl E. Walsh: Monetary Theory and Policy, MIT Press, 2003.


Geldpolitik:

  • Bofinger, Peter, Julian Reischle und Andrea Schächter: Monetary Policy
  • ECB


Geldpolitik in offenen Volkswirtschaften:

  • Bofinger, Mayer, Wollmershäuser, "Teaching New Keynesian Open Economy Macroeconomics at the Intermediate Level ", The Journal of Economic Education, in press.
  • Bofinger, Wollmershäuser, Managed Floating
  • Gandolfo, G.: International Economics II, 2. Auflage, Berlin, Heidelberg 1995.
  • Willms, M.: Internationale Währungspolitik, 2. Auflage, München 1995.


Außenwirtschaft:

  • Krugman, P.R./Obstfeld, M.: International Economics, Theory and Policy, Addison-Wesley Longman, Amsterdam; Auflage: 7. Auflage (September 2007).
  • Rose, K./ Saurnheimer, K.: Theorie der Außenwirtschaft, 12. Auflage, München 1995.

Lehrstuhl für VWL, Geld & internationale Wirtschaftsbeziehungen ; Sanderring 2 97070 Würzburg

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