Forschungsprojekt gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung
Familienstruktur, Einkommensunsicherheit und öffentliche Finanzpolitik
Im Mittelpunkt dieses Projektes steht der Einfluss des Familienstandes auf die Entscheidungsbildung der Individuen. In den traditionellen Modellen mit repräsentativen Agenten wird der Familienstand und dessen Veränderung über den Lebenszyklus nicht berücksichtigt. Individuen (oder ganze Haushalte) entschei den üblicherweise über Humankapitalbildung, Arbeitsangebot, Ersparnisse und Konsum unter der Annahme, dass der Haushaltstyp über den Lebenszyklus konstant bleibt. In der Realität verändert jedoch Heirat, Scheidung oder Tod des Lebenspartners die Lebenssituation und damit auch das individuelle Entscheidungsverhalten. Außerdem fließen bei den laufenden Entscheidungen auch die Erwartungen über den künftigen Familienstand mit ein. Die Berücksichtigung des Familienstandes ist deshalb aus zwei Gründen besonders wichtig. Zum einen haben sich in den zurückliegenden Jahren die Familienstrukturen in den entwickelten Ländern teilweise dramatisch verändert. Bislang wurden die volkswirtschaftliche Konsequenzen dieser Entwicklung nur unzureichend erforscht. Zum anderen können bestimmte steuer- und sozialpolitische Reformen nur in Modellen adäquat untersucht werden, welche den sich über den Lebenszyklus ändernden Familienstand auch berücksichtigen.
Im Rahmen dieses Projektes soll deshalb ein Gleichgewichtsmodell mit überlappenden Generationen, Einkommensunsicherheit und unsicherem Sterbezeitpunkt entwickelt werden, welches innerhalb einer Kohorte unterschiedliche Geschlechter und einen über den Lebenszyklus sich ändernden Familienstand (ledig, verheiratet, geschieden, verwitwet) berücksichtigt. Individuen entscheiden über ihr Arbeitsangebot und Ersparnisse unter Berücksichtigung der Unsicherheit über Familienstand, Einkommen und Lebensdauer. Das Modell wird so kalibriert, dass es die aktuellen demographischen und ökonomischen Strukturen in Deutschland möglichst gut abbildet. Dann werden zunächst die Konsequenzen des Wandels der Familienstrukturen (späte und seltene Heirat, abnehmende Heirat über Bildungsklassen hinweg, steigende Scheidungen) auf zentrale makroökonomische Variablen wie Arbeitsangebot, Kapitalbildung und Steueraufkommen sowie die Einkommensverteilung abgeschätzt. Anschließend sollen die Verteilungs- und Effizienzwirkungen unterschiedlicher Steuer- und Sozialreformen (z.B. Ehegattensplitting, Familienförderung, Hinterbliebenenrente etc.) in diesem Modellrahmen untersucht werden.

